Vom Verschwinden und Erscheinen – Über das Ephemere in der Fotografie

Das Aufspüren und Erleben von Stimmungen und ortsspezifischen Atmosphären nimmt die Fotografin Nicole Ahland (*1970) zum Gegenstand ihrer Raumportraits. Ihre Bilder sind das Ergebnis eines intensiven Hineinfühlens in einen Raum, welches ihr ermöglicht, das »Raumgefühl« (Theodor Lipps) zu erspüren. Eine berührende Stille zeichnet auch die Arbeiten der finnischen Fotografin Ida Pimenoff (*1977) aus, die in ihren Arbeiten die spezifische Stimmung des Dämmerlichts einfängt. Ganz konkret verschwinden die baufälligen Interieurs bei Ellen Auerbach (1906-2004) und Alfred Ehrhardt (1901-1984). »Es sind Spuren der Zeit und des Alterns, die den Dingen Insignien der Präsenz verleihen«, beschreibt Gernot Böhme die spezifische Atmosphäre des Ephemeren, das ein »Miterscheinen des Daseins« ist. Besonders eindringlich spürt man dies in den bisher unbekannten Ruinenbildern Alfred Ehrhardts, die kurz nach dem Bombardement seines Hamburger Wohnhauses 1942 entstanden.

Als Sujet des Amorphen und Ephemeren fungieren häufig Wolken, wie beispielsweise in den Fotografien von Pentti Sammallahti (*1950) und César Martins (*1981). In den Aufnahmen des finnischen Fotografen Pentti Sammallahti ereignet sich oftmals Zauberhaftes, man hat das Gefühl, eine Traumwelt zu betreten, die einen magischen Sog ausübt. Während er den Himmel von der Erde aus festhält, begibt sich der in Portugal geborene Fotokünstler César Martins in die Wolken, um diese aus der sublimen Perspektive des Fliegenden festzuhalten. Mit der ephemeren Erscheinung von Eisblumen beschäftigt sich die Fotografin Marianne Ostermann (*1950). Die durch die vereisten Fensterscheiben fotografierten Aufnahmen entwickelt sie als Cyanotypien, in denen die Motive im samtenen Blau verschwimmen. Als Sehnsuchtsfarbe bestimmt das Blau die Icy Prospects des finnischen Fotografen Jorma Puranen (*1951). Seine Aufnahmen der arktischen Landschaft wirken wie eingefrorene Traumlandschaften. Tatsächlich handelt es sich jedoch um Reflexionen der Landschaft auf einem lackierten Holzbrett – auch die Grenzen von Wirklichkeit, Wahrnehmung und Einbildung sind ephemer, flüchtig und nicht klar zu fassen.

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